Worum es bei der Frage wirklich geht
Wenn das WLAN im Haus nicht überall funktioniert, gibt es drei Wege: einen Repeater dazwischenstellen, ein Mesh-System kaufen oder Access Points per Kabel verteilen. Den Repeater haben wir in einem eigenen Beitrag behandelt – kurz gesagt: er halbiert die Bandbreite und hilft selten.
Bleiben Mesh und Access Points. Beide verteilen das WLAN auf mehrere Geräte. Der Unterschied liegt darin, wie diese Geräte miteinander reden.
Mesh: Funk zwischen den Stationen
Ein Mesh-System besteht aus zwei bis vier gleichartigen Stationen. Eine hängt am Router, die anderen verteilen Sie im Haus. Untereinander halten sie per Funk Kontakt.
Das spricht dafür: Sie müssen kein Kabel verlegen. Die Einrichtung dauert eine halbe Stunde. Das Gerät wandert automatisch von Station zu Station, ohne dass das Handy das Netz wechseln muss – ein echter Vorteil gegenüber dem Repeater.
Das spricht dagegen: Die Funkstrecke zwischen den Stationen kostet Leistung. Gute Systeme reservieren dafür ein eigenes Funkband, günstige nicht. Und: Eine Mesh-Station kann nur weiterreichen, was bei ihr ankommt. Steht sie zwei Bruchsteinwände vom Router entfernt, verteilt sie ein schwaches Signal im ganzen Stockwerk.
Access Points: Kabel zwischen den Stationen
Ein Access Point ist ein WLAN-Sender, der per Netzwerkkabel am Router oder Switch hängt. Jeder Access Point bekommt also die volle Leistung, egal wie weit er entfernt ist.
Das spricht dafür: volle Geschwindigkeit an jedem Punkt, stabil auch bei vielen Geräten gleichzeitig, und die Technik lebt lange. Viele Modelle holen Strom aus demselben Kabel, ein Stromanschluss ist also nicht nötig.
Das spricht dagegen: Es muss ein Kabel dorthin. Das ist der ganze Haken – und der Grund, warum wir bei diesem Thema fast immer zuerst fragen, ob Leerrohre vorhanden sind.
Die Entscheidung in vier Fragen
Wie sind die Wände? Trockenbau und dünne Ziegel verzeihen Mesh. Bruchstein, Stahlbeton und Fußbodenheizung nicht. In vielen Häusern im Ahrtal ist das der entscheidende Punkt.
Über wie viele Etagen? Eine Etage plus Dachgeschoss schafft ein gutes Mesh-System meist. Keller, Erdgeschoss, Ober- und Dachgeschoss selten – Decken dämpfen stärker als Wände.
Wie viele Geräte hängen dran? Bis etwa 20 ist beides in Ordnung. Ein Haushalt mit Fernsehern, Konsolen, Smart-Home-Geräten, Handys und zwei Homeoffices kommt schnell auf 40 – dann spielt der Access Point seine Stärke aus.
Wird noch gebaut oder saniert? Dann fällt die Entscheidung von selbst. Ein Kabel liegt in der Rohbauphase für wenige Euro. Später kostet dasselbe Kabel ein Vielfaches. Wir haben das in Netzwerk beim Hausbau planen ausführlich beschrieben.
Der Mittelweg, den die meisten übersehen
Sie müssen sich nicht entscheiden. In der Praxis ist die häufigste gute Lösung eine Mischung: ein Kabel in die Etage, die am weitesten weg ist, und dort ein Access Point. Der Rest bleibt, wie er ist.
Ein Beispiel aus der Region: Haus mit drei Etagen, Router im Erdgeschoss neben dem Hausanschluss, Homeoffice im Dachgeschoss. Statt drei Mesh-Stationen zu kaufen, haben wir ein Kabel vom Keller ins Dachgeschoss gelegt – über einen vorhandenen Schacht für die Heizungsrohre – und dort einen Access Point gesetzt. Kosten: ein Kabel, ein Gerät, ein halber Tag. Ergebnis: volle Geschwindigkeit oben, und das Erdgeschoss hat wieder Luft, weil der Router nicht mehr durch drei Decken funken muss.
Worauf es unabhängig von der Technik ankommt
- Die Position des Routers. Er steht selten dort, wo er hingehört, sondern dort, wo der Telefonanschluss ist. Oft im Flur, im Schrank oder im Keller. Das ist der häufigste und billigste Fehler.
- Ein einziger Netzwerkname. Wenn jedes Stockwerk ein eigenes WLAN hat, wechseln Handys nicht sauber. Alle Stationen sollten denselben Namen und dasselbe Passwort tragen.
- Die Kanäle. In Reihenhaussiedlungen funken zwanzig Nachbarnetze auf denselben Kanälen. Ein Blick darauf kostet fünf Minuten und bringt manchmal mehr als neue Hardware.
- Ein Gastnetz. Für Besuch, Ferienwohnungsgäste und Smart-Home-Geräte. Es trennt fremde Geräte von Ihren eigenen Daten.
Was wir in der Regel empfehlen
Für Wohnungen und kleine Neubauten: ein gutes Mesh-System, sauber positioniert. Für Altbauten, mehrere Etagen, Betriebe, Ferienwohnungen und überall dort, wo Homeoffice stattfindet: mindestens ein Kabel und ein Access Point an der richtigen Stelle.
Und in beiden Fällen: erst messen, dann kaufen. Wir gehen mit einem Messgerät durchs Haus und sehen, wo das Signal einbricht. Das dauert eine halbe Stunde und erspart regelmäßig den Fehlkauf eines Systems, das das Problem gar nicht lösen kann. Wie wir dabei vorgehen, steht auf Netzwerk & WLAN in Ahrweiler.
Häufige Fragen
Kann ich Mesh-Stationen per Kabel verbinden?
Bei den meisten Systemen ja. Dann arbeiten sie faktisch wie Access Points und Sie bekommen beides: einfache Einrichtung und volle Leistung. Wenn ohnehin ein Kabel liegt, ist das die beste Variante.
Bringt ein neuer Router mehr Tempo?
Nur, wenn der alte wirklich veraltet ist. Gegen dicke Wände hilft auch der beste Router nicht – er funkt nicht stärker, das ist gesetzlich begrenzt.
Und Powerline über die Stromleitung?
Ein Notbehelf. Funktioniert manchmal überraschend gut, manchmal gar nicht – je nachdem, wie die Stromkreise im Haus verlaufen. Über mehrere Sicherungskreise hinweg bricht die Leistung meist ein. Zum Ausprobieren in Ordnung, als geplante Lösung nicht.
